Ein Montag Vormittag

Wir schreiben Montag, den 11. Februar 2019, an dem wir den 100. Geburtstag eines unserer Mitglieder begehen.
Zu viert erscheinen wir am Vormittag so gegen 11 Uhr bei Gertruida in ihrer 2-Zimmer-Wohnung und begrüßen das Geburtstagskind. Wir, ein kleines Bisschen herausgeputzt, Trusje im pinkfarbenem Badekuschelmantel mit schwarzen Schuhen an den nackten Füßen.
Die Sitzplätze sind rar, also wird gesucht und gerückt bis wir schließlich alle 4, dazu zwei Familienmitglieder aus Berlin, Großneffe Gröninger und Frau, Platz gefunden haben.
Der Blumenstrauß, ein Frühlingsgruß mit Vergissmeinnicht und anderen pastellfarbenen Blüten wird überreicht und in eine gelbe Karaffe gezwängt. Mehr Vasen gibt es nicht.
Frau Vath füllt Wasser in unsere Gläser.
„Gänsewein“, sagt das Geburtstagskind und besteht darauf, im Eckschrank der Einbauküche nach Weißwein zu suchen.
Man prostet sich zu. „Man kann ja schließlich nicht mit Wasser anstoßen.“ Dazu werden Pralinen gereicht.
Wir reden über das Altern, die Vergänglichkeit von Schönheit und über die Rolle des Glücks in unserem Leben. Wir freuen uns mit Trusje und ihrer Rührung, die sie uns spüren lässt.
Aus dem Hausflur des Johanniter Carrees dringen Geräusche. Dort ist man dabei, alles für die große Feier um 14 Uhr vorzubereiten.
Da klingeln schon die nächsten Gäste an der Wohnungstür.
Wir verabschieden uns, wünschen Gertruida einen besonders schönen Geburtstags-Montag und hoffen, dass sie noch die Zeit dazu finden wird, sich aus dem Bademantel in ihr Festtagsgewand um zu kleiden.
Tot ziens Trusje

Ann Kristin Bartke